Die ersten Wochen mit meinem Auslandshund
Ratgeber
Mein Hund aus dem Ausland – die ersten Wochen mit meinem Auslandshund
Inhaltsverzeichnis
Die ersten Stunden mit meinem Auslandshund
Die ersten Stunden nach der Ankunft im neuen Heim werden unterschiedlich erlebt. Wie dein Hund sich verhält, ist abhängig davon, wie er den Schock, plötzlich und quasi ungefragt in deiner Wohnung zu sitzen, verarbeitet. Deshalb wird dieser Abschnitt nach möglichen Verhaltensweisen unterteilt:
Der Hinterherläufer
Viele Hunde suchen sich einen Menschen aus der Familie aus, an dessen Fersen sie sich heften. Sie empfinden diesen Menschen als Sicherheit. In den ersten Tagen ist das völlig normal und deshalb sollte es auch vorerst geduldet werden. Dein Hund hat beschlossen, dass du oder ein Familienmitglied jetzt der Fels in der Brandung seid und du ihm die Welt schon zeigen wirst. Um die Gefühlswelt deines Hundes etwas besser zu verstehen, biete ich dir hier ein kleines Beispiel an: Stell dir vor, du kommst als Praktikant in eine neue Firma und anfangs weißt man dir keine Abteilung, kein Betreuer und auch keine Aufgabe zu. Du bist natürlich völlig verwirrt. Um dem ganzen noch eine Krone aufzusetzen, bist du im Ausland und alle sprechen eine Sprache die du nur wenig oder gar nicht kennst. Logischerweise heftest du dich an die Fersen des einen Menschen, mit dem du bisher am meisten Kontakt hattest. Das kann die Empfangsleitung sein, die Personalleitung, oder jemand, der dir die Arbeitskleidung ausgehändigt hat. Wenn du ein sehr strategisch veranlagter Mensch bist, beobachtest du vielleicht auch zuerst und beschließt, dich demjenigen anzuschließen, der in der Abteilung, in der du gerade stehst, besonders viel zu sagen hat, weil er scheinbar mit vielen Mitarbeitern in Kontakt steht oder Menschen im respektvoll begegnen und häufig nicken, wenn er (scheinbar) eine Aufgabe erteilt.
Der Verstecker:
Manche Hunde stehen nach ihrer Adoption so unter Schock, dass sie die neuen Reize in ihrem neuen Zuhause gar nicht verarbeiten können. Sie verkriechen sich im Badezimmer unter einem Schrank, im Schlafzimmer unter dem Bett oder an einem anderen, schwer erreichbaren Ort im Haus. Auch das ist völlig normal und abhängig davon, wie sehr sich die Umwelt seines vorherigen Lebens von seinem neuen Zuhause unterscheidet und wie seine Persönlichkeit strukturiert ist.
Die ersten Tage und Wochen
Gassi gehen mit meinem Hund aus dem Tierschutz
Andere Menschen kommen zu Besuch…
So ein neuer Hund ist meistens auch für den Freundeskreis und Ihre Verwandtschaft sehr interessant. Vielleicht hast du auch Kinder die bereits kaum erwarten können, ihren neuen vierbeinigen Freund ihren Freunden vorstellen zu dürfen. Generell begrüße ich es, wenn Hunde mitten im Familienleben sind und deshalb auch fast überall mitkommen dürfen, wenn die Familie Ausflüge macht oder Besuch bekommt. Dennoch rate ich dir, dich in den ersten Wochen etwas zurückzuhalten. Gib deinem neuen Familienmitglied etwas Zeit, sich an die Personen im Haushalt zu gewöhnen und etwas Vertrauen zu euch zu fassen, bevor du ihn mit weiteren Menschen und Tieren bekannt machst. Wenn du bemerkst, dass der Alltag schon sehr angenehm verläuft und ihr euch ausreichend aneinander gewöhnt habt, warte nochmal weitere fünf Tage, bevor du Besuch empfängst. So stellst du sicher, dass auch dein neuer Hund Zeit hatte, sich routiniert zu fühlen. Wenn dann der erste Besuch erwartet wird, ist es ratsam bereits gut vorbereitet zu sein. Wenn es klingelt, bringe zunächst den Hund auf seinen Platz, der natürlich abseits des Eingangsbereiches und auch nicht direkt neben dem Stuhl, auf dem du deinen Besucher platzieren möchtest, befindet. Dort leinst du den Hund an, damit er dir nicht zur Tür folgen kann und gib ihm gerne eine Leckerei, die ihn einige Minuten beschäftigt (z.B. ein Schweineohr, ein Stück Rinderkopfhaut o.Ä.). Nun holst du den Besucher an der Tür ab und geleitest ihn dorthin, wo er sich setzen darf. Bitte den Besucher vorab, deinem Hund nicht direkt in die Augen zu sehen und ihn am besten vorerst links liegen zu lassen. Möglicherweise beschäftigt sich der Hund ohnehin ausgiebig mit dem Knabberzeug, aber es ist auch möglich, dass er den Besucher erstmal anbellt. Was auch immer er tut, lasse ihm Zeit und kümmere dich um dich und den Besucher. Bellt er, macht es Sinn, sich zwischen Hund und Besucher zu positionieren und den Blick Richtung Besucher zu wenden. So vermittelst du dem Hund, dass du ihn beschützen willst. Sollte der Besucher nämlich versuchen einen von euch aufzuessen, würdest du dafür sorgen, dass der Hund nicht gleich zum „Hot-Dog“ wird. Wenn sich der Hund vollständig beruhigt hat, seinen Kauartikel aufgegessen hat und seelenruhig im Körbchen liegt, kannst du ihn von der Leine befreien. Geht er nun zum Besucher, ist das gestattet. Bleibt er auf seinem Platz, ist das ebenso erlaubt. Wenn er den Besucher nun anspringen oder anbellen sollte, bringe ihn sofort und in aller Ruhe zurück auf seinen Platz und leine ihn wieder an. Zeige deinem Hund für mindestens die nächsten dreißig Besucher, dass du dich verantwortungsbewusst um die Situation kümmerst und er in aller Ruhe zusehen kann.
Die Wahl der Hundeschule
Generell empfiehlt es sich schon vorab, also vor Adoption, einen Termin mit der Hundeschule des Vertrauens zu vereinbaren. Wenn der Hund bei dir einzieht, entstehen schnell Fragen und Unsicherheiten. Ein Hausbesuch in den ersten 14 Tagen nach Einzug des Hundes kann viele Fragen klären und vermeiden, dass große Missverständnisse euren gemeinsamen Vertrauensaufbau behindern.
Verbote
Eine der häufigsten Fragen, die mir als Hundetrainerin im Erstkontakt gestellt wird, ist, wie man dem Hund etwas verbieten kann. Meistens handelt es sich um Dinge wie Essen vom Tisch stehlen, Schuhe klauen und zerbeißen, nicht auf das Sofa springen, den Teppich nicht ankauen, etc. Ich kann völlig verstehen, dass man in den ersten Wochen überfordert ist und sich so mancher wundert, wie grenzenlos einige Hunde sein können. Wenn dein Hund ein Straßenhund ist, der keine Erfahrungen im Haushalt gemacht hat, besteht die Möglichkeit, dass er deinen Esstisch als guten Aussichtspunkt empfindet und deinen Mülleimer als abwechslungsreichen Futterautomaten. Da ein Hund in einer Menschenwelt fast alles falsch und nur wenig richtig machen kann – ist Streit und Fehler vermeiden meine liebste Variante. Stell dir vor, du kommst in eine völlig fremde Kultur und hattest keine Möglichkeit, dich vorab zu informieren. In dieser Kultur ist es unhöflich, seinem Gegenüber in die Augen zu schauen und zur Begrüßung nagt man am Zeigefinger des Anderen, statt sich die Hände zu schütteln. Außerdem isst man mit den Fingern, aber nur mit der rechten Hand. Du steckst also ganz fix in drei Situationen, wo dir dein Gegenüber sagt, dass du gerade alles Erdenkliche falsch machst. Wenn dein Tag weiter so verläuft, bist du schnell verzweifelt. Am Ende des Tages hast du wahrscheinlich die Nase voll und du beschließt, alles zu machen, was du für richtig hältst und was dir gefällt. Denn den anderen kannst du es gar nicht recht machen. So ähnlich geht es Hunden, die zum Kennenlernen nur Verbote erhalten. Deshalb, räume alles Weg, was dein Hund nicht zwischen die Zähne bekommen soll. Wenn er den Mülleimer nicht leeren soll, stelle diesen in einen Schrank, den dein Hund nicht einfach öffnen kann. Wenn du Wert auf ordentliche Schuhe und Teppiche legst, verstaue sie sicher. Und wenn du den Kuchen selbst essen möchtest, lass ihn nicht aus den Augen. Jetzt musst du deinem Hund von all den oben aufgeführten Verboten, nur noch klar machen, dass du nicht einverstanden bist, wenn er auf deinen Tisch klettert. Das ist ganz einfach, jedes Mal, wenn er auf den Tisch klettert, nimmst du ihn ruhig und bestimmt herunter und bindest ihn angeleint bei seinem Bettchen fest. Nachdem er sich abgelegt hat und mindestens zwei Minuten ruhig geblieben ist, darf er wieder frei laufen. Spätestens nach dem fünften bis zehnten Mal angebunden werden, direkt nachdem er den Tisch erklommen hat, wird er sich denken, dass er lieber frei ist, als auf seiner Aussichtsplattform Platz nehmen zu wollen. Erst wenn ein Thema vollständig geklärt ist, sollte ein neues Thema eröffnet werden. Das heißt, wenn er nicht mehr auf den Tisch springt, kann man den Teppich herausholen und ebenso mit dem Teppich, wie mit dem Tisch verfahren. Hierzu sei noch kurz gesagt, es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Hunde, die Alternativen angeboten bekommen, wenn sie Objekte ankauen, deutlich schneller lernen, welche Objekte man kauen darf und welche nicht, als jene, denen man das unerwünschte Kauobjekt weg nimmt. Praktisch umgesetzt könnte das bedeuten, dass man den Hund, der den Teppich ankaut, von dieser Stelle wegführt, um ihm am Hundebett einen Knochen zum Kauen anzubieten. So kann das Kaubedürfnis anderweitig und sozialverträglich gestillt werden.
Medizinische Aspekte
Auslandshunde und Krankheiten
Häufige Krankheiten
Hier findest du noch eine Liste, häufig auftretender Krankheiten bei Hunden aus dem Ausland und deren Überträger. Welche Untersuchungen für deinen neuen Vierbeiner vernünftigerweise vorgenommen werden sollten, berätst du am besten mit deinem Tierarzt. Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden können:
- Babesiose
- Anaplasmose
- Ehrlichiose
- Borreliose
- Hepatozoonose
Krankheiten, die durch Mücken und Sandmücken übertragen werden:
- Herzwürmer
Krankheiten, die durch andere Tiere, verschmutztes Wasser oder Kot übertragen werden können:
- Giardien
- Rund- oder Bandwürmer
- Lungenwürmer
Abgesehen von Erkrankungen, die deinen Hund durch Parasiten und Insekten oder Hygiene treffen können, gilt es zu bedenken, dass viele Hunde aufgrund ihrer Vergangenheit Mangel oder Leid erfahren haben. Ein Ernährungsmangel im Welpen und Junghundalter kann zu nicht unerheblichen Wachstumsschäden führen, die möglicherweise nicht sofort sichtbar sind. Nicht selten erlebe ich auch, dass Hunde aus dem Tierschutz Misshandlungen oder Unfälle erlebt haben, die dem Körper beträchtlich zugesetzt haben. So kenne ich Hunde, in deren Rücken sich so viele Schrotkugeln befinden, dass ein Metalldetektor sofort Alarm schlagen würde, oder die durch Schläge im Kopfbereich fehlende Zähne bis hin zu schmerzhaften Kieferfehlstellungen erlitten haben. Deshalb sind röntgenologische Untersuchungen des Gelenkapparates, u.U. auch in Narkose (z.B. HD-Röntgen) durchaus sinnvoll und haben ihre Berechtigung. Zum Glück höre ich immer seltener davon, jedoch kommt es noch vor, dass man mir sagt, der Hund solle ja nicht zur Zucht eingesetzt werden und deshalb würde man ihn auch nicht im Röntgen untersuchen lassen, um mögliche Erkrankungen festzustellen. Jedoch geht es hier auch um das Wohlbefinden deines Hundes, und dieses sollte bei der Hinterfragung, ob eine Untersuchung sinnvoll ist, immer die zentrale Rolle spielen.









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