Die ersten Wochen mit meinem Auslandshund

Ratgeber

Mein Hund aus dem Ausland – die ersten Wochen mit meinem Auslandshund

von | 19.04.2018 | Hundewissen, Ratgeber, Tierschutz | 2 Kommentare

Wenn du dich entschieden hast, deinen Hund aus dem Tierschutz bzw. von einer Hundevermittlung zu adoptieren, steht dir eine spannende Zeit bevor. Spannend, weil du ein neues Familienmitglied aufnimmst, dessen Geschichte du nicht oder nur teilweise kennst und dir der Hund ja nicht erzählen kann, was er erlebt und wie er dabei empfunden hat. Spannend, weil ihr beide euch zunächst mal kennenlernen müsst, um einander einschätzen und vertrauen zu lernen. Dabei kann es durchaus zwischendurch auch zu „Spannungen“ zwischen euch beiden kommen. Sorge dich nicht, mit viel Geduld und Spucke, und möglicherweise auch ein bisschen Mut, bekommt ihr das sicher hin! Dieser Artikel soll dir ein erster Ratgeber sein, wie du es dir und deinem Hund am Anfang möglichst leicht machen kannst. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn so unterschiedlich die Menschen, ebenso unterschiedlich sind auch die Hunde und deren gemeinsame Erlebnisse und Geschichten. Ich zähle hier Trainingstipps auf, die ich in meiner Arbeit als Hundetrainerin alltäglich und besonders häufig ausspreche. Dieser Ratgeber soll euch über die ersten Tage bis Wochen bringen, jedoch ersetzt er kein 1:1 Hundetraining mit einem/r erfahrenen Experten/in.
Vertrauen fassen - die ersten Stunden mit deinem Auslandshund

Die ersten Stunden mit meinem Auslandshund

Die ersten Stunden nach der Ankunft im neuen Heim werden unterschiedlich erlebt. Wie dein Hund sich verhält, ist abhängig davon, wie er den Schock, plötzlich und quasi ungefragt in deiner Wohnung zu sitzen, verarbeitet. Deshalb wird dieser Abschnitt nach möglichen Verhaltensweisen unterteilt:

Der Hinterherläufer

Viele Hunde suchen sich einen Menschen aus der Familie aus, an dessen Fersen sie sich heften. Sie empfinden diesen Menschen als Sicherheit. In den ersten Tagen ist das völlig normal und deshalb sollte es auch vorerst geduldet werden. Dein Hund hat beschlossen, dass du oder ein Familienmitglied jetzt der Fels in der Brandung seid und du ihm die Welt schon zeigen wirst. Um die Gefühlswelt deines Hundes etwas besser zu verstehen, biete ich dir hier ein kleines Beispiel an: Stell dir vor, du kommst als Praktikant in eine neue Firma und anfangs weißt man dir keine Abteilung, kein Betreuer und auch keine Aufgabe zu. Du bist natürlich völlig verwirrt. Um dem ganzen noch eine Krone aufzusetzen, bist du im Ausland und alle sprechen eine Sprache die du nur wenig oder gar nicht kennst. Logischerweise heftest du dich an die Fersen des einen Menschen, mit dem du bisher am meisten Kontakt hattest. Das kann die Empfangsleitung sein, die Personalleitung, oder jemand, der dir die Arbeitskleidung ausgehändigt hat. Wenn du ein sehr strategisch veranlagter Mensch bist, beobachtest du vielleicht auch zuerst und beschließt, dich demjenigen anzuschließen, der in der Abteilung, in der du gerade stehst, besonders viel zu sagen hat, weil er scheinbar mit vielen Mitarbeitern in Kontakt steht oder Menschen im respektvoll begegnen und häufig nicken, wenn er (scheinbar) eine Aufgabe erteilt.

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Wenn du Ruhe, Souveränität und Entspannung vorlebst, kann dein Vierbeiner nach und nach auch entspannen.
Lange Rede kurzer Sinn, du suchst dir jemanden aus, der dir vertrauensvoll erscheint und du orientierst dich an ihm. Schickt er dich nicht weg, gibt es dir Sicherheit, dich an ihm orientieren zu können und nach und nach besteht die Möglichkeit, dass er dich mit Aufgaben und Informationen vertraut macht. Gönne also deinem neuen hündischen Verfolger etwas Zeit, sich seine neue Welt aus deinem sicheren Schatten anschauen zu können und schicke ihn nicht sofort wieder weg. Bedenke bitte auch, dass du ihn die ersten Tage nicht gleich für längere Zeit als wenige Minuten allein lassen solltest, denn das könnte seine Welt vorerst ganz schön durcheinander bringen. Wenn er die ersten Tage hinter dir her trottet, lass ihn das tun. Gib ihm die Möglichkeit, neben deinem Bett zu schlafen, damit er sich nachts sicher fühlen kann. Wenn du Ruhe, Souveränität und Entspannung vorlebst, kann dein Vierbeiner nach und nach auch entspannen. Der Zeitpunkt, ab dem er sich dann auch abseits von dir hinlegt, zeigt dir, dass er nach und nach etwas ankommen kann. Nun ist wichtig, dass du ihm Plätze im Haus zuweist, an denen er sich niederlassen darf. Sinnvoll sind Liegestellen außerhalb der Dreh- und Angelpunkte deines Hauses. Generell also abseits von Türen, Eingangsbereichen, Treppenaufgängen, Fluren etc. So kann dein Hund an den Liegestellen nämlich auch wirklich zur Ruhe kommen, da er in der Ruhe nicht durch „Durchgangsverkehr“ gestört werden kann. So machst du ihm auch ganz nebenbei klar, dass er nicht für den Bereich „Sicherheit und Kontrolle“ in eurer Familie zuständig ist.
Hund versteckt sich nach Adoption

Der Verstecker:

Manche Hunde stehen nach ihrer Adoption so unter Schock, dass sie die neuen Reize in ihrem neuen Zuhause gar nicht verarbeiten können. Sie verkriechen sich im Badezimmer unter einem Schrank, im Schlafzimmer unter dem Bett oder an einem anderen, schwer erreichbaren Ort im Haus. Auch das ist völlig normal und abhängig davon, wie sehr sich die Umwelt seines vorherigen Lebens von seinem neuen Zuhause unterscheidet und wie seine Persönlichkeit strukturiert ist.

Wenn dein Hund also ankommt und sich bei der ersten Gelegenheit verzieht, dann gib ihm Raum und Zeit, sich etwas zu erholen, langsam aufzutauen und dann nach und nach zu dir zu kommen. Wie lange dieser Prozess dauert, kann ganz unterschiedlich sein. Die meisten Hunde kommen nach 5-7 Tagen von ganz alleine. Andere brauchen aber auch mehrere Wochen. Es gibt hier keine Faustregel, die besagt, wie lange das Ankommen dauern kann. Nehmen wir an, dein Hund hat sich unter den Badezimmerschrank verzogen und kommt nicht mehr heraus. Bitte lass ihm tagsüber die Tür offen, sodass er herauskommen kann, wenn er bereit dazu ist. Außerdem kann er so schon aus seinem sicheren Hafen mit den Alltagsgeräuschen vertraut werden. Bitte warte aber nicht vor seinem Versteck und buhle nicht darum, dass er herauskommt. Das macht ihm mit großer Wahrscheinlichkeit nur noch mehr Angst. Vernünftiger ist es, die nächsten Tage das Futter nebenbei und ohne ihn anzusprechen nah vorm Schrank abzustellen, den Raum zu verlassen und ihm die Möglichkeit zu lassen, es sich zu holen, wenn er bereit dazu ist. Irgendwann wird dein Hund sich lösen müssen und, da er noch kein Vertrauen zu dir hat, wird es wohl im Haus passieren. Bitte ärgere dich nicht darüber. Wenn ihr erst zueinander Vertrauen habt, können wir an der Stubenreinheit arbeiten. Bis dahin, wischt du das Malheur einfach weg (am besten mit Essigwasser nachwaschen) und kommentierst es nicht weiter.
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Jedenfalls solltest du etwas tun, was dich körperlich in Ruhe hält und gleichzeitig Desinteressiert erscheinen lässt. Warte ab, ob dein vierbeiniger Freund in deiner Gegenwart essen möchte und gestalte für einige Tage die Nahrungsaufnahme auf diese Art und Weise.
Wenn dein Hund sein Versteck dann verlässt, um die Umgebung zu erkunden, gibst du ihm am Anfang am besten die Möglichkeit, dich nur von hinten zu betrachten. Zeige ihm in Hundesprache durch deine Ignoranz (=Bewusstes Wegdrehen), dass du mit ihm keinen Ärger haben willst. Verhalte dich ruhig. Vermeide hektische Bewegungen und laute Gespräche. Irgendwann wird dein neuer Freund wissen wollen, wie das Gesicht dieses Menschen aussieht, mit dem er da zusammen lebt. Dann wird er mal einen kleinen Blick zu dir wagen. Schau ihm auch dann nicht in die Augen, sondern schaue bewusst an ihm vorbei. Wenn er endlich nahe kommt, um dich zu beschnuppern, berühre ihn nicht! Gib ihm mindestens noch drei Tage Zeit, bevor du ihn zum ersten Mal überhaupt versuchst zu berühren. Gute Möglichkeiten, um dann nach und nach einander näher zu kommen ist, gemeinsam zu essen. Wenn dein Hund noch immer im Badezimmer schlafen will, dann wählst du diesen Ort, um die neue Übung zu machen. Sollte dein Hund bereits freiwillig auch in anderen Räumen sitzen oder liegen, empfehle ich dir den größten Raum, in dem dein Hund freiwillig verweilt. Dort stellst du den Futternapf mit guten Leckereien auf und setzt dich möglichst weit weg davon auf den Boden. Dort kannst du zum Beispiel lesen, oder mit Kopfhörern einen Film auf dem Handy anschauen. Jedenfalls solltest du etwas tun, was dich körperlich in Ruhe hält und gleichzeitig Desinteressiert erscheinen lässt. Warte ab, ob dein vierbeiniger Freund in deiner Gegenwart essen möchte und gestalte für einige Tage die Nahrungsaufnahme auf diese Art und Weise. Wenn das gut funktioniert, setzt du dich an einem neuen Tag  wieder in die Ecke, dieses Mal aber mit dem Napf in der Hand. Am besten befindet sich werfbares Futter darin. Zum Beispiel Trockenfutter, gekochte Fleischstücke, Nudeln oder ähnliches. Nun wirfst du mit möglichst wenig Bewegung deinerseits, das Futter in die Richtung, in der vorher immer der Napf stand. Nimmt dein Hund das Futter, wirfst du das nächste Stückchen in eine andere Ecke des Raumes. Hat er genug Vertrauen, um sich das Futter zu holen, variierst du den Fallort des Futterstückes in den Abständen zu dir. Mal ist es weiter weg, mal muss dein Hund schon relativ nah an dich heran. Hier kannst du gut erkennen, ab welcher Distanz zu dir dein Hund sich nicht mehr sicher fühlt. Du kannst so lange üben, bis er freiwillig und freudig aus deiner Hand frisst. Dann kann man bestimmt auch bald Gassi gehen.

Die ersten Tage und Wochen

Gassi gehen mit meinem Hund aus dem Tierschutz

Gassi gehen mit deinem Auslandshund
Die wichtigste Regel vorweg: Für die ersten drei Monate des Zusammenlebens ist es generell nicht ratsam, den Hund frei laufen zu lassen. Ihr habt noch nicht genug Zeit gehabt, um nachhaltiges Vertrauen zueinander aufzubauen. Es besteht deshalb jederzeit die Möglichkeit, dass selbst der mutigste Hund erschrickt, davonrennt und sich sowie andere in Gefahr bringt. Solange ihr noch keinen Wildkontakt hattet, weißt du nicht sicher, wie dein Hund auf Wild reagiert und könnte jagen gehen. Außerdem sollte der Rückruf immer mindestens acht Wochen lang intensiv geübt werden, bevor man den Hund frei laufen lässt.
Bevor jedoch überhaupt ein Rückruf geübt werden kann, ist es sinnvoll, vorerst die Aufmerksamkeit auf den Menschen im Außenbereich zu üben. Die einfachste Übung der Welt ist Futter für Blickkontakt zu vergeben. Du wartest also beim Spazierengehen freiwillige und zufällige Blickkontakte deines Hundes ab und belohnst ihn dafür mit einer besonderen Leckerei. Je nachdem, wie sehr dein Hund schon Vertrauen gefasst hat, kannst du ihn aus der Hand füttern oder den Keks einfach auf den Boden werfen, so, dass dein Hund es sehen kann und er darf den Keks vom Boden essen. Wenn du diese Übung zwei Wochen lang machst, wirst du feststellen, dass dein Hund „fast“ nur noch Augen für dich hat und ihr könnt beginnen, weitere Übungen einzubauen.

Andere Menschen kommen zu Besuch…

So ein neuer Hund ist meistens auch für den Freundeskreis und Ihre Verwandtschaft sehr interessant. Vielleicht hast du auch Kinder die bereits kaum erwarten können, ihren neuen vierbeinigen Freund ihren Freunden vorstellen zu dürfen. Generell begrüße ich es, wenn Hunde mitten im Familienleben sind und deshalb auch fast überall mitkommen dürfen, wenn die Familie Ausflüge macht oder Besuch bekommt. Dennoch rate ich dir, dich in den ersten Wochen etwas zurückzuhalten. Gib deinem neuen Familienmitglied etwas Zeit, sich an die Personen im Haushalt zu gewöhnen und etwas Vertrauen zu euch  zu fassen, bevor du ihn mit weiteren Menschen und Tieren bekannt machst. Wenn du bemerkst, dass der Alltag schon sehr angenehm verläuft und ihr euch ausreichend aneinander gewöhnt habt, warte nochmal weitere fünf Tage, bevor du Besuch empfängst. So stellst du sicher, dass auch dein neuer Hund Zeit hatte, sich routiniert zu fühlen. Wenn dann der erste Besuch erwartet wird, ist es ratsam bereits gut vorbereitet zu sein. Wenn es klingelt, bringe zunächst den Hund auf seinen Platz, der natürlich abseits des Eingangsbereiches und auch nicht direkt neben dem Stuhl, auf dem du deinen Besucher platzieren möchtest, befindet. Dort leinst du den Hund an, damit er dir nicht zur Tür folgen kann und gib ihm gerne eine Leckerei, die ihn einige Minuten beschäftigt (z.B. ein Schweineohr, ein Stück Rinderkopfhaut o.Ä.). Nun holst du den Besucher an der Tür ab und geleitest ihn dorthin, wo er sich setzen darf. Bitte den Besucher vorab, deinem Hund nicht direkt in die Augen zu sehen und ihn am besten vorerst links liegen zu lassen. Möglicherweise beschäftigt sich der Hund ohnehin ausgiebig mit dem Knabberzeug, aber es ist auch möglich, dass er den Besucher erstmal anbellt. Was auch immer er tut, lasse ihm Zeit und kümmere dich um dich und den Besucher. Bellt er, macht es Sinn, sich zwischen Hund und Besucher zu positionieren und den Blick Richtung Besucher zu wenden. So vermittelst du dem Hund, dass du ihn beschützen willst. Sollte der Besucher nämlich versuchen einen von euch aufzuessen, würdest du dafür sorgen, dass der Hund nicht gleich zum „Hot-Dog“ wird. Wenn sich der Hund vollständig beruhigt hat, seinen Kauartikel aufgegessen hat und seelenruhig im Körbchen liegt, kannst du ihn von der Leine befreien. Geht er nun zum Besucher, ist das gestattet. Bleibt er auf seinem Platz, ist das ebenso erlaubt. Wenn er den Besucher nun anspringen oder anbellen sollte, bringe ihn sofort und in aller Ruhe zurück auf seinen Platz und leine ihn wieder an. Zeige deinem Hund für mindestens die nächsten dreißig Besucher, dass du dich verantwortungsbewusst um die Situation kümmerst und er in aller Ruhe zusehen kann.

Die Wahl der richtigen Hundeschule

Die Wahl der Hundeschule

Generell empfiehlt es sich schon vorab, also vor Adoption, einen Termin mit der Hundeschule des Vertrauens zu vereinbaren. Wenn der Hund bei dir einzieht, entstehen schnell Fragen und Unsicherheiten. Ein Hausbesuch in den ersten 14 Tagen nach Einzug des Hundes kann viele Fragen klären und vermeiden, dass große Missverständnisse euren gemeinsamen Vertrauensaufbau behindern.

Nach einer Eingewöhnung von zwei bis drei Wochen bei erwachsenen Hunden und von fünf bis sieben Tagen bei Welpen unter 16 Wochen sollte das erste Gruppentraining in Erwägung gezogen werden. Welche Themen ihr als erstes bearbeitet, ist abhängig von eurer gemeinsamen Lebenssituation und den gemeinsamen Bedürfnissen. Im Allgemeinen sind Kurse wie „Mut und Selbstvertrauen“ oder „Leinenführigkeit“ sehr sinnvoll. Denn in diesen Kursen übt man die  gemeinsame Kommunikation und es wird für ausreichend Abstand zwischen den Teilnehmern untereinander gesorgt. So kann man miteinander gut arbeiten, trotz der Ablenkung anderer Hunde.

Verbote

Eine der häufigsten Fragen, die mir als Hundetrainerin im Erstkontakt gestellt wird, ist, wie man dem Hund etwas verbieten kann. Meistens handelt es sich um Dinge wie Essen vom Tisch stehlen, Schuhe klauen und zerbeißen, nicht auf das Sofa springen, den Teppich nicht ankauen, etc. Ich kann völlig verstehen, dass man in den ersten Wochen überfordert ist und sich so mancher wundert, wie grenzenlos einige Hunde sein können. Wenn dein Hund ein Straßenhund ist, der keine Erfahrungen im Haushalt gemacht hat, besteht die Möglichkeit, dass er deinen Esstisch als guten Aussichtspunkt empfindet und deinen Mülleimer als abwechslungsreichen Futterautomaten. Da ein Hund in einer Menschenwelt fast alles falsch und nur wenig richtig machen kann – ist Streit und Fehler vermeiden meine liebste Variante. Stell dir vor, du kommst in eine völlig fremde Kultur und hattest keine Möglichkeit, dich vorab zu informieren. In dieser Kultur ist es unhöflich, seinem Gegenüber in die Augen zu schauen und zur Begrüßung nagt man am Zeigefinger des Anderen, statt sich die Hände zu schütteln. Außerdem isst man mit den Fingern, aber nur mit der rechten Hand. Du steckst also ganz fix in drei Situationen, wo dir dein Gegenüber sagt, dass du gerade alles Erdenkliche falsch machst. Wenn dein Tag weiter so verläuft, bist du schnell verzweifelt. Am Ende des Tages hast du wahrscheinlich die Nase voll und du beschließt, alles zu machen, was du für richtig hältst und was dir gefällt. Denn den anderen kannst du es gar nicht recht machen. So ähnlich geht es Hunden, die zum Kennenlernen nur Verbote erhalten. Deshalb, räume alles Weg, was dein Hund nicht zwischen die Zähne bekommen soll. Wenn er den Mülleimer nicht leeren soll, stelle diesen in einen Schrank, den dein Hund nicht einfach öffnen kann. Wenn du Wert auf ordentliche Schuhe und Teppiche legst, verstaue sie sicher. Und wenn du den Kuchen selbst essen möchtest, lass ihn nicht aus den Augen. Jetzt musst du deinem Hund von all den oben aufgeführten Verboten, nur noch klar machen, dass du nicht einverstanden bist, wenn er auf deinen Tisch klettert. Das ist ganz einfach, jedes Mal, wenn er auf den Tisch klettert, nimmst du ihn ruhig und bestimmt herunter und bindest ihn angeleint bei seinem Bettchen fest. Nachdem er sich abgelegt hat und mindestens zwei Minuten ruhig geblieben ist, darf er wieder frei laufen. Spätestens nach dem fünften bis zehnten Mal angebunden werden, direkt nachdem er den Tisch erklommen hat, wird er sich denken, dass er lieber frei ist, als auf seiner Aussichtsplattform Platz nehmen zu wollen. Erst wenn ein Thema vollständig geklärt ist, sollte ein neues Thema eröffnet werden. Das heißt, wenn er nicht mehr auf den Tisch springt, kann man den Teppich herausholen und ebenso mit dem Teppich, wie mit dem Tisch verfahren. Hierzu sei noch kurz gesagt, es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Hunde, die Alternativen angeboten bekommen, wenn sie Objekte ankauen, deutlich schneller lernen, welche Objekte man kauen darf und welche nicht, als jene, denen man das unerwünschte Kauobjekt weg nimmt. Praktisch umgesetzt könnte das bedeuten, dass man den Hund, der den Teppich ankaut, von dieser Stelle wegführt, um ihm am Hundebett einen Knochen zum Kauen anzubieten. So kann das Kaubedürfnis anderweitig und sozialverträglich gestillt werden.

Medizinische Aspekte

Auslandshunde und Krankheiten

Ein gesunder Hund ist ein glücklicher Hund
In vielen europäischen Ländern gibt es diverse Krankheiten, die häufig durch regional vorkommende Parasiten oder Insekten auftreten können und deshalb hier seltener oder bei unseren heimischen Hunden gar nicht auftreten. Da sich die Symptome dieser Krankheiten aber von Fieber und Niedergeschlagenheit (wie z.B. bei Ehrlichiose) bis hin zu tödlichem Verlauf bei Nichtbehandlung (z.B. Leishmaniose oder Lungenwürmern) erstrecken können, soll dieser Abschnitt dazu dienen, ein Bewusstsein für mögliche Erkrankungen zu schaffen. Dabei sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass ich keine Tierärztin bin und deshalb weder Anspruch auf Vollständigkeit der aufgezählten Erkrankungen erhebe, noch dieser Artikel den tierärztlichen Rat in irgendeiner Weise ersetzt. Ganz im Gegenteil. Ich möchte Dich  dazu ermutigen, nach kurzer Eingewöhnung, spätestens aber nach den ersten vier gemeinsamen Wochen, einen Termin beim Tierarzt deines Vertrauens zu vereinbaren und den Hund gut durchchecken zu lassen. Je nachdem, woher Dein Hund kommt, sollten z.B. Mittelmeerkrankheiten anhand eines Bluttests untersucht werden. Viele Hunde, die aus großen Shelters, Perreros oder Tötungsstationen kommen, leiden an Giardien. Da Giardien so hartnäckig und hochansteckend sind, ist es sehr ratsam, den Kot des Hundes gleich in der ersten Woche im neuen Zuhause untersuchen zu lassen, da du dazu nur den Kot sammeln und beim Tierarzt zur Untersuchung abgeben musst. Sollte sich herausstellen, dass dein Hund mit Giardien infiziert ist, sollte er schnellstmöglich dagegen behandelt werden und möglichst keinen Kontakt zu anderen Hunden haben.

Häufige Krankheiten

Hier findest du noch eine Liste, häufig auftretender Krankheiten bei Hunden aus dem Ausland und deren Überträger. Welche Untersuchungen für deinen neuen Vierbeiner vernünftigerweise vorgenommen werden sollten, berätst du am besten mit deinem Tierarzt. Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden können:

  • Babesiose
  • Anaplasmose
  • Ehrlichiose
  • Borreliose
  • Hepatozoonose

Krankheiten, die durch Mücken und Sandmücken übertragen werden:

  • Herzwürmer

Krankheiten, die durch andere Tiere, verschmutztes Wasser oder Kot übertragen werden können:

  • Giardien
  • Rund- oder Bandwürmer
  • Lungenwürmer

Abgesehen von Erkrankungen, die deinen Hund durch Parasiten und Insekten oder Hygiene treffen können, gilt es zu bedenken, dass viele Hunde aufgrund ihrer Vergangenheit Mangel oder Leid erfahren haben. Ein Ernährungsmangel im Welpen und Junghundalter kann zu nicht unerheblichen Wachstumsschäden führen, die möglicherweise nicht sofort sichtbar sind. Nicht selten erlebe ich auch, dass Hunde aus dem Tierschutz  Misshandlungen oder Unfälle erlebt haben, die dem Körper beträchtlich zugesetzt haben. So kenne ich Hunde, in deren Rücken sich so viele Schrotkugeln befinden, dass ein Metalldetektor sofort Alarm schlagen würde, oder die durch Schläge im Kopfbereich fehlende Zähne bis hin zu schmerzhaften Kieferfehlstellungen erlitten haben. Deshalb sind röntgenologische Untersuchungen des Gelenkapparates, u.U. auch in Narkose (z.B. HD-Röntgen) durchaus sinnvoll und haben ihre Berechtigung. Zum Glück höre ich immer seltener davon, jedoch kommt es noch vor, dass man mir sagt, der Hund solle ja nicht zur Zucht eingesetzt werden und deshalb würde man ihn auch nicht im Röntgen untersuchen lassen, um mögliche Erkrankungen festzustellen. Jedoch geht es hier auch um das Wohlbefinden deines Hundes, und dieses sollte bei der Hinterfragung, ob eine Untersuchung sinnvoll ist, immer die zentrale Rolle spielen.

Abschließende Gedanken

Hundetrainerin Sissy Leonie Kreid, Akademie Hund, Regensburg
Du willst noch mehr wissen? Dann melde dich am besten telefonisch oder per Email bei mir. Individuelle Themen lassen sich am besten in einem Einzeltermin besprechen. Bei häuslichen Themen (wie z.B. alleine bleiben, im Garten bellen o.Ä.) sind Hausbesuche ebenfalls nach Terminvereinbarung möglich. Ich wünsche dir einen guten Start und eine wundervolle und spannende Zeit mit deinem neuen Freund. Wie Konrad Lorenz (Verhaltensforscher) schon sagte: „Die Treue eines Hundes ist ein kostbares Geschenk.“ Ich wünsche dir viel Freude, dir diese Treue zu verdienen und dabei viele wunderschöne Momente zu erleben.
Bildnachweis Porträts Sissy Leonie Kreid: Fotografie Pokorny, Lukas Pokorny / Sonstiges Bildmaterial: CC0 Lizenz, pixabay.com

Sissy Leonie Kreid

Sissy Leonie Kreid, Hundetrainerin, Hundeschule Regensburg
Sissy Leonie Kreid hat in den Niederlanden Tierwissenschaften studiert. Nach einer Ausbildung zum Coach für Menschen mit Hund (bei Martin Rütter) hat Sie sich 2015 mit Akademie Hund als Hundetrainerin selbständig gemacht.

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Teile deine Erfahrungen mit uns!

Du besitzt schon einen Hund aus dem Ausland, oder du überlegst, einen Auslandshund zu adoptieren? Lass uns gerne deine Gedanken zu diesem spannenden Thema da und schreib einen Kommentar. Wir freuen uns darauf, von dir zu lesen.

2 Kommentare

  1. St. Ri

    Kann nur WOW zu dem Artikel sagen! Ich bin gerade dabei einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren. Es handelt sich dabei um keinen Strassenhund sondern lebte der Hund eingeschlossen in einem Keller. Sie kennt nichts und ist extrem Scheu. Ich denke auch, dass sie wohl die erste Zeit unter dem Sofa verbringen wird. Für sie zur Hilfe habe ich eine Hundehöhle gekauft, ich hoffe sie nimmt es an. Auf jeden Fall hat mir dieser Artikel extrem viel geholfen und ich werde mit Sicherheit einige Vorgehensweisen so umsetzen. Gerade mit der Fütterung. Als einzige Herausforderung werde ich wohl das erste Gassi gehen empfinden. Wann und wie ist der richtige Moment dem Hund an die Leine zu nehmen und was mache ich wenn der Hund nicht mitläuft? Mhmm, das muss ich mir noch überlegen aber dennoch vielen lieben Dank für diesen tollen Artikel!!!!

    Antworten
    • Sissy Leonie Kreid

      Hallo Stephanie,
      vielen Dank für dein tolles Feedback!

      Du beschreibst, dass du dir Sorgen machst, wie das Gassigehen verlaufen wird. Nach einigen Erfahrungen meinerseits mit „Keller-„/“Scheunen“-Hunden hier mein Rat an dich: Geh erstmal gar nicht Gassi. Wenn du einen Garten hast, biete deinem Hund die Möglichkeit den Garten aufzusuchen. Falls du keinen Garten hast, biete ihr einen Ort in der Wohnnung an, an dem sie sich lösen kann. Möglicherweise war es sehr oft lange dunkel im Keller. Deshalb werden ihr die ersten Ausflüge womöglich leichter fallen wenn sie in der Nacht, wenn es dunkel und leise draußen ist. Wenn dein Hund genug Vertrauen zu dir hat, sich ein Geschirr anlegen zu lassen und sich an das Tragen des Geschirrs gewöhnt hat, gib ihm die Chance, sich auch an das an der Leine geführt werden zu gewöhnen. Wenn sie bereit ist, Gassi zu gehen, wird sie gehen. Dazu bedarf es Gewöhnung an die neue Situation, Vertrauen in dich als ihren Menschen und Vertrauen in sich selbst. Um dies aufzubauen braucht es einige Zeit. Hab auch du Vertrauen, dass sie dir zeigen wird, wann sie soweit ist. Bitte vermeide an der Leine zu ziehen oder sie zum Gassi zu zwingen. Ich bin überzeugt, dass ihr so ganz viel zusammen wachsen könnt!
      Ich wünsche euch alles erdenklich Gute!
      Sissy

      Antworten

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