Hundewelpe schleckt Eis

Welpen und Junghundezeit

Was wirklich zählt und welche Kurse du wählen solltest um deinen Hund perfekt auf euer gemeinsames Leben vorzubereiten.

Sissy Leonie Kreid, Hundetrainerin aus Regensburg mit Hovawart Frau Emma

Über die Autorin

Sissy Leonie Kreid

Sissy Leonie Kreid hat in den Niederlanden Tierwissenschaften studiert. Nach einer Ausbildung zum Coach für Menschen mit Hund bei Martin Rütter hat Sie sich 2015 mit Akademie Hund als Hundetrainerin selbständig gemacht. Seitdem ist Sissy als Dozentin, Ausbilderin, Trainerin & Coach für Mensch-Hund-Teams tätig.

Sissy Leonie Kreid, Hundetrainerin aus Regensburg mit Hovawart Frau Emma

Über die Autorin

Sissy Leonie Kreid

Sissy Leonie Kreid hat in den Niederlanden Tierwissenschaften studiert. Nach einer Ausbildung zum Coach für Menschen mit Hund bei Martin Rütter hat Sie sich 2015 mit Akademie Hund als Hundetrainerin selbständig gemacht. Seitdem ist Sissy als Dozentin, Ausbilderin, Trainerin & Coach für Mensch-Hund-Teams tätig.

Kaum eine Zeit ist so aufregend wie die ersten Wochen und Monate mit einem Welpen. Sie wachsen und entwickeln sich so schnell und es gibt so viel gemeinsam zu lernen und zu entdecken.

Ich liebe es, Menschen und ihre Welpen begleiten zu dürfen und ihnen zu helfen, bereits in der Welpenschule die Grundlagen für eine wunderbare gemeinsame Zukunft zu erschaffen.

Es fühlt sich für mich wie gestern an, wenn ich daran denke, wie Emma als kleines Fellknäuel vor elf Jahren in meinen Armen gelandet ist und wir die gemeinsame Reise von Berlin in mein niederländisches Zuhause gemacht haben. Sie wog gerade mal acht Kilo und ihre großen, braunen Augen sahen mich unschuldig und treuselig an.  Ich war erfüllt vom Glücksgefühl, endlich meinen größten Traum in Erfüllung gehen zu sehen und fortan mit Hund durchs Leben gehen zu können. Gleichzeitig bereitete mir die Verantwortung über ihr Wohlergehen und über die Sozialisierung ganz beachtliche Herzrhythmusstörungen.

Damit die Welpen und Junghundezeit für dich und deinen Hund entspannt ablaufen kann, habe ich für dich hier die wichtigsten Eckpunkte zusammengetragen.

Welpenzeit

Die Welpenzeit vergeht so schnell…

Die Welpenzeit – Entwicklung im Lichtgeschwindigkeit

Die Welpenzeit vergeht wie im Flug, denn sie dauert nur bis zur 16. Lebenswoche. Deshalb ist es sinnvoll, gut vorbereitet und mit etwas Struktur in diese erste gemeinsame Zeit zu starten. Meistens ziehen Welpen im Alter von 8-12 Wochen in ihr neues Zuhause. Als frisch gebackene Hundeeltern hat man also wirklich nur eine sehr kurze Phase, um die Weichen für eine entspannte, gemeinsame Zukunft zu legen.

Von der achten bis zur 16. Lebenswoche sollten Welpen alles kennenlernen, was sie als erwachsene Hunde im Alltag mit ihren Menschen entspannt und souverän mitmachen sollen. Das liegt daran, dass Welpen sich alles in dieser Phase Erlebte besonders einprägen.

Wenn du also ein.e Reiter.in bist, sollte dein Welpe vor der 16. Lebenswoche bereits Pferde, den Reitstall und alles, was für dich dazugehört, kennenlernen. Wenn du gerne mit dem SUP über den See paddelst und dein Leben am Wasser stattfindet, dann ist es wichtig, deinem Welpen diese Welt in den ersten Wochen in kleinen Schritten und kleinen Ausflügen zu zeigen. Hunde, die mit ins Büro sollen, sollten schon in diesen ersten Wochen mit dir das Office für eine Espressopause besuchen.

Mit Welpen-Emma auf Tour

Als Emma mit neun Wochen in mein Leben kam, war ich noch Studentin in den Niederlanden. Um die kurze Welpenzeit optimal zu nutzen, habe ich mir damals eine Liste gemacht, an welchen Orten ich wohl in den nächsten zehn bis 15 Jahren einen entspannten Hund dabei haben möchte. Ich war mit ihr also in den ersten Wochen am Strand, in der Sporthalle, im Café, im Schuhgeschäft, im Vorlesungssaal, auf der Kuh- und Pferdeweide, im Bus, im Zug und an vielen anderen Orten. Heute ist Emma elf Jahre alt und sie geht mit mir nicht nur durch dick und dünn, sondern ist auch überall dabei. Ich genieße es sehr, dass wir beiden Landeier auch meine Freunde in Berlin besuchen können und dort in den Cafés flanieren, aber auch mit ihr in den Bergen zum Wandern in die Gondel steigen kann.

Unterschiedliche Hunde in der Welpenschule

In der Welpenschule können Welpen alles Wichtige fürs spätere Leben lernen

Welpenschule – oder eher „Der Hundekindergarten“

Abgesehen von eurer ganz eigenen Umwelt, auf die du deinen Welpen vorbereiten solltest, kennt er bisher nur die Hunde aus dem eigenen Rudel, in dem er geboren wurde.

Doch es gibt so unterschiedlich aussehende Hunde und so viele unterschiedliche Stile und Dialekte und Spieltypen, die ganz und gar nicht selbstverständlich verstanden oder gemocht werden. Wenn ein Berner-Sennenhund auf einen quirligen Whippet und eine laut schnarchende Französische Bulldogge trifft, dann kann das ähnlich viele Missverständnisse hervorrufen, wie wenn ein Berliner, ein Ostfriese, ein Sachse und ein Bayer versuchen sich zu verständigen.

Hundesprache verstehen

Um Hundesprache gut zu verstehen und sich friedlich und freundlich mit anderen Hunden verhalten zu können, ist eine gute Welpenschule unabdingbar. Dort kann dein Welpe gleichaltrige Hunde, die möglichst unterschiedlich aussehen in unterschiedlichen Größen kennenlernen und seine interkulturellen Fähigkeiten entwickeln.

In einer gut angeleiteten Welpenschule dürfen die Hunde viel miteinander spielen – die Trainer.innen erklären die Körpersprache und Kommunikation der Welpen untereinander und greifen ein, wenn das Spiel zu rauh oder ungerecht wird. So lernen Hunde, dass auch anders aussehende Hunde Freunde sein können und man freundlich miteinander umgehen muss, um miteinander spielen zu dürfen.

Eine der lustigsten Freundschaften, die in der Akademie Hund Welpenschule entstanden ist und noch lange angehalten hat, war die eines Neufundländers und einer Jack Russel Terrier Hündin. Obwohl sie kaum unterschiedlicher sein konnten, waren die beiden nicht nur in der Hundeschule, sondern auch auf privaten Spaziergängen ein unzertrennliches Team.

Wobei dir eine Welpenschule hilft

Eine gute Welpenschule hilft euch außerdem dabei, eine vertrauensvolle Bindung aufzubauen, da dein Welpe lernt, auch mit dir Spaß zu haben, wenn andere Hunde in der Nähe sind. Er lernt bei dir Schutz zu suchen, wenn er müde ist oder Angst bekommt und zu dir zurückzukommen, auch wenn die Hundefreunde gerade in der Nähe sind.

Die Welpenschule ist deshalb unersetzlich, weil es dir nicht möglich ist, dich in einen gleichaltrigen Welpen zu verwandeln und du den Hund-Hund Kontakt nicht ersetzen kannst.

Wissen für Welpeneltern zum Hören und Sehen

Wenn du mehr über die Welpenzeit erfahren möchtest und wie du die Weichen für eine gute Beziehung auf Lebenszeit stellen kannst, kannst du unseren Vortrag „Welpenzeit“ auf Vimeo anschauen.  Dort bekommst du eine tolle Anleitung, wie du eure Sozialisierungsausflüge gestalten solltest, Übungsvideos für die ersten wichtigen Übungen und eine Liste mit allem, was in den ersten Wochen gemeinsam gelernt und unternommen werden sollte. Außerdem beantworte ich viele der mindestens 101 Fragen von Beißhemmung bis Stubenreinheit, die sich alle Welpeneltern in den ersten Wochen stellen.

On-Demand Vortrag "Welpenzeit"

Alles was du für deinen Hundewelpen wissen solltest.

Auch in meinem Podcast „Zum Glück mit Hund“ findest du sogar mehrere Folgen, bei denen es nur um Hundewelpen geht:

„Zum Glück mit Hund“ kannst du überall kostenlos hören, wo es Podcasts gibt!

Junghunde

Vom Welpen zum Junghund – da können aus süßen Welpen auch mal kleine Monster werden. Muss aber nicht sein!

Junghunde – Dreinasehoch auf Entdeckertour

Kaum liegt die Welpenzeit hinter euch, beginnt die Junghundezeit, die sich bis ca. zum ersten Geburtstag erstreckt. Daran schließt sich die Pubertät an, die oft aus den einst süßesten Welpen kleine Monster werden lässt. Doch bis dahin erlebst du mit deinem Hund noch einige Entwicklungsschritte. Damit ihr diese meistert und dabei als Team an den gemeinsamen Herausforderungen wachsen könnt, sind wir als Trainer.innen gerne für euch da!

Was macht die Junghundezeit mit deinem Tier?

Wenn die Junghundezeit ab dem fünften Monat beginnt, bemerkst du, dass sich das Spielverhalten mit den Hundefreunden etwas verändert. Dein kleiner Hund wird zusehends frecher und wahrscheinlich auch etwas gröber im Spiel. Wahrscheinlich musst du ihm im Spiel mit deutlich jüngeren Welpen öfter kurz herausnehmen und pausieren lassen, weil er ausprobiert, wie frech man mit seinen Freunden umgehen kann.

Das ist ganz normal und eine sehr wichtige Phase, in der du die Gelegenheit hast als Hunde-Mama oder Hunde-Papa deinem Jungspund zu beweisen, dass du auf ihn aufpasst und das Spiel mit Freunden kurzzeitig unterbrochen wird, wenn er zu wenig rücksichtsvoll mit seinen Freunden umgeht.

Gleichzeitig kannst du feststellen, dass dein Junghund in anderen Alltagssituationen plötzlich ängstlich und unsicher reagiert. Er möchte vielleicht nicht mehr mit dir im Dunkeln spazieren gehen oder verbellt die herausgestellten Mülltonnen am Straßenrand.

Ein Hund aus der Akademie Hund Welpenschule wollte beispielsweise mit fünf Monaten auf einem Spaziergang plötzlich nicht mehr weitergehen, weil die weiß eingewickelten Silageballen auf dem Feld zu gruselig aussahen.
Auch das ist völlig normal. Hier sind deine Geduld und eine große Portion Kekse gefragt. Wichtig ist, deinem kleinen Hund zu zeigen, dass du Verständnis hast und ihr euch die Sache erstmal aus sicherer Entfernung ansehen könnt.

Sei der/die Beschützer.In deines Hundes!

Hier kannst du dich als mutige.r Beschützer.in beweisen. Diese anstrengenden und häufig auch etwas überraschenden Augenblicke sind kleine Schlüsselmomente für eure Beziehung, die deinem Junghund zeigen können, dass du ein.e verlässliche.r Partner.in bist.

Jetzt ist auch der Zeitpunkt, an dem es sinnvoll sein kann, das Junghunde-ABC zu beginnen. Allgemein betrachtet muss ein Junghund im ersten Lebensjahr nur lernen, dass die Umwelt ein sicherer Ort ist und Menschen, Tiere und andere Hunde echt toll sind. Doch im Alltag stellt sich häufig heraus, dass es doch ein paar Fähigkeiten gibt, die auch im ersten Lebensjahr schon erlernt werden sollten.

Junghunde - hier ändert sich so einiges

Als Junghunde ändert sich nochmal eininges…vieles…alles?

Die Junghundeschule – Das Grundschul-Hunde-ABC

Ich zähle dir hier die Fähigkeiten auf, die meines Erachtens unabdingbar sind, um einen entspannten gemeinsamen Alltag erleben zu können!

Grundsignale

Knigge für Hunde. Ein paar Signale und Regeln machen Menschen im Alltag das Leben mit Hund viel leichter. Zum Beispiel dann, wenn du ein Paket erwartest, dein.e Postbot.in klingelt und dein Hund auf seine Decke geht und geduldig wartet, statt überschwänglich bellend mit zur Tür zu laufen. Oder auch dann, wenn du Besuch erwartest und Fiffi auf seinen vier Buchstaben sitzen bleiben kann, statt zur Begrüßung an deinen Gästen hochzuspringen. Im Grundsignalekurs lernst du, wie du deinem Hund diese Regeln spielerisch und mit Leichtigkeit beibringen kannst.

Anti Giftköder Training

Ein Anti-Gilftköder-Training sollte jeder Hund im Leben einmal belegt haben. Hier lernt dein Hund die drei großen „A“s im Junghunde ABC:

  • Ausspucken – was nicht ins Maul gehört.
  • Anzeigen – statt etwas ins Maul zu nehmen.
  • Aufgeben – es liegen lassen und sich für dich statt für die Beute entscheiden.

Diese Fähigkeiten schützen nicht nur vor Giftködern, sondern auch vor allerlei Unrat, der z.B. nach Grillfesten auf Wiesen herumliegt. Gerade Junghunde im Zahnwechsel nehmen alles Mögliche ins Maul und kauen darauf herum. Also: „Better Safe than Sorry!“.

Leinenführigkeit

Leinenführigkeit ist besonders dann wichtig, wenn dein kleiner Hund mehr als 10kg Erwachsenengewicht haben wird. Je größer der Hund wird, umso früher sollte man mit dem Leinenführigkeitstraining beginnen. Wiegt Fiffi nämlich erstmal 20kg, macht es wahrscheinlich schon längst keinen Spaß mehr, zusammen Gassi zu gehen. Das Ziel eines Leinenführigkeitskurses ist eine gegenseitig rücksichtsvolle Kultur zu entwickeln. Aufeinander acht geben, statt sich gegenseitig durch die Gegend zu zerren. So können Spaziergänge viel schöner ablaufen und ihr könnt es genießen, gemeinsam unterwegs zu sein.

Apport und Rückruf

Der Kurs zur Freiheit. In den ersten Wochen genießen frisch gebackene Welpeneltern den Folgetrieb des kleinen Hundes. Doch wenn er  heranwächst und die Umwelt immer spannender wird, klappt der Rückruf bei einem 6 monatigen Junghund meist nicht mehr so selbstverständlich wie anfänglich erlebt. Der Rückruf wird erst dann wirklich gut und zuverlässig, wenn dein Hund findet, dass du ein.e tolle.r Sozialpartner.in bist, mit der.dem man richtig tolle Sachen und schöne Spiele spielen kann. Deshalb lohnt es sich, die Übungen mit Apportieraufgaben zu kombinieren. So kannst du dich bald wirklich auf deinen Hund verlassen und ihr könnt mit viel Freiraum gemeinsame Abenteuer erleben.

Wissen für Junghundeeltern zum Hören

In meiner Podcastfolge Nummer 32 „Junghunde – was in diesem Altersabschnitt wirklich zählt“ Kannst du dir nochmal anhören, worauf du deinen Fokus für die nächsten Monate richten solltest.

Hundewelpe wird vom Züchter abgeholt

Die kleine Frau Emma – noch sooooo klein..

Aus eigener Erfahrung…

Meine Erinnerungen an Emmas und mein erstes gemeinsames Jahr sind ein Wechselbad der Gefühle. Sie war mir eine gute Lehrerin.

Dank ihr habe ich gelernt, meine Studentenwohnung ordentlich aufzuräumen und es hat nur zwei teure Uni-Bibliotheksbücher gekostet.

Ich habe gelernt den Müll häufig rauszutragen, denn sie hätte ihr Futter als Papierschredder verdienen können, wenn ich den Papiereimer offen stehen ließ.

Ich habe gelernt, dass der Rückruf sehr tolle Kekse kosten muss und auch die Kekse fad sind, wenn man nicht auch mal tolle Spiele machen kann.

Emma hat mir geholfen, ein gutes Vorbild zu sein und dass es nicht reicht, Dinge über Hunde zu wissen, man muss sie auch tun. Ich wünsche dir, dass du mit deinem jungen Hund zu einem so vertrauensvollen und liebendem Team werden kannst, wie meine Emma und ich. Wir von Akademie Hund unterstützen dich gerne dabei!

Ein besonderer Dank soll an dieser Stelle an die vielen Menschen und ihre Hunde gehen, die ich seit der Welpenzeit schon über viele Jahre begleiten darf und ich mit euch alle Höhen und Tiefen gemeinsam erleben durfte. Mein Herz wird warm, wenn ich von euch höre und wir uns auch heute noch im Training treffen. Es ist ein Privileg euch mit Rat und Tat und meinem Herzblut zur Seite stehen zu dürfen!

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